ÜZ

Das Netzentgelt steigt enorm

16.11.2016

Zeitungsartikel MainPost vom 11.11.2016
Verfasser: Norbert Finster

Steuern und Abgaben machen schon mehr als die Hälfte des Strompreises aus

Als Ware wird Strom immer preisgünstiger. Steuern, Abgaben und Umlagen aber steigen und steigen. Beides gibt die Unterfränkische Überlandzentrale (ÜZ) an ihre rund 55.000 Kunden weiter. Staatlich verordnete Preissteigerungen übersteigen aber die Ersparnis beim Einkauf von Strom bei Weitem.

Das bedeutet unter dem Strich, dass der Arbeitspreis im gängigen Eintarif um 1,25 Cent pro Kilowattstunde (brutto) steigt. Für den Durchschnittshaushalt mit 4000 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr macht das rund 50 Euro oder 4,44 Prozent mehr als in diesem Jahr aus.

Gerd Bock, geschäftsführender Vorstand der Überlandzentrale, macht für die Strompreisentwicklung vor allem die vorgelagerten Netzentgelte verantwortlich. Hier hat der Stromversorger das Pech, im Netzbereich von Tennet zu liegen, denn dort kommt die Hauptlast der Energiewende als Kostenposition an.

Bei diesem Übertragungsnetzbetreiber steigen die Netzentgelte um satte 80 Prozent im Vergleich zum 1. Januar 2016. Grund dafür sind vor allem die Windkraftanlagen im Norden der Republik. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat selbst kaum Endkunden, so dass die Steigerung auf die Verteilnetzbetreiber und ihre Kunden umgelegt wird.

Vier Übertragungsnetzbetreiber teilen sich das Bundesgebiet auf. Anders als bei Tennet steigt am unteren Ende der Skala bei Transnet Baden-Württemberg das Netzentgelt nur um fünf Prozent. „Die Kosten für die Energiewende sind sehr ungleich verteilt“, kritisiert Gerd Bock. Seine Hoffnung auf Besserung liegt bei der Bundesregierung. Sie hat angekündigt, demnächst einen regionalen Ausgleich der Netzentgelte auf den Weg zu bringen.

Allein die Steigerung des Netzentgelts macht rund einen Cent beim Strompreis aus. Dabei wird die Überlandzentrale im Grunde für ihre Vorreiterrolle bei den regenerativen Energien bestraft. Denn die Lülsfelder haben jetzt schon mehr Strom aus dezentraler Erzeugung im Netz, als sie für die Versorgung ihrer Kunden bräuchten. „Unsere 110 Prozent sind eine Menge, die das deutschlandweite Ziel mit 80 Prozent für 2050 schon heute bei Weitem überschreitet“, sagt Robert Ruppenstein, zuständig für Beschaffung und Vertrieb.

Das Problem: Die ÜZ kann diese Menge nicht zeitgleich vorhalten. Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, so wie jetzt in diesen trüben Herbsttagen, reicht die Energie aus den Erneuerbaren nicht. Dann muss die Überlandzentrale zukaufen, braucht damit die großen Verteilernetze und muss entsprechend zahlen.

Vier Jahre sinkende Preise
Konkrete Zahlen: Der Bezugspreis für Strom ist jetzt schon das vierte Jahr in Folge gesunken. Für 2017 beträgt die Senkung 0,25 Cent pro Kilowattstunde, die die ÜZ an die Kunden weitergibt. Die einzige Position im Kostenkuchen, aus der die ÜZ ihre Gewinnmarge beziehen kann, sind die Erzeugungs- und Vertriebskosten, die aber gerade mal 17,64 Prozent des Strompreises ausmachen. „Das ist der einzige Preisbestandteil, bei welchem wir im Wettbewerb mit anderen Anbietern stehen“, erklärt Ruppenstein. Weitere große Komponente beim Strompreis ist die Umlage für erneuerbare Energien. Sie steigt 2017 um 0,526 Cent pro Kilowattstunde auf 6,88 Cent. Hier ärgert es Gerd Bock am meisten, dass auf die Umlagen nochmals 19 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen werden. „Diese Abgaben sind doch kein Produkt, bei welchem etwas erzeugt wird“, sagt der Vorstand des Lülsfelder Stromversorgers.

Erzeugung erst an dritter Stelle
Die Steuern und Abgaben machen zusammen 54 Prozent des Strompreises aus, die Netznutzung 28 Prozent. Erst an dritter Stelle stehen die bereits erwähnten 17,64 Prozent für Erzeugung und Vertrieb.

Schließlich muss die ÜZ auch einen großen Aufwand leisten, um das eigene Stromnetz zu erhalten. Einzige Möglichkeit, um hier Kosten abzufedern, ist es, möglichst viel Strom durch die Leitungen zu schicken. Das könnte durch eine wachsende E-Mobilität geschehen, für die sich die Überlandzentrale einsetzt.

Außerdem sollte Erneuerbarer Strom regionaler Nutzung zugeführt werden. Ein Beispiel dafür das Neubaugebiet „Am Nützelbach“ in Gerolzhofen.

 

Mehr Informationen: Strompreiszusammensetzung

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