ÜZ

Eine starke Energie-Leistung

14.01.2016

Zeitungsartikel MainPost vom 12,01,2016
Verfasser: Norbert Vollmann


Ein Bündel an Maßnahmen hält die Stromausfallzeit im ÜZ-Netz deutlich unter dem Bundesdurchschnitt
 

Die ÜZ hat es schwarz auf weiß. Die Versorgungssicherheit im Netzgebiet des regionalen Stromversorgers aus Lülsfeld ist so hoch wie derzeit kaum sonst irgendwo in Deutschland. Das kann man an der jährlichen Netzausfallzeit von nur 3,1 Minuten pro Kunde im Jahr 2014 ablesen. Zum Vergleich: Bundesweit war 2014 im Durchschnitt jeder 21,1 Minuten ohne Strom. Viele europäische Länder können von solchen Werten nur träumen.

Die Zahlen stammen von der Bundesnetzagentur. Der haben die deutsche Elektrizitätsnetzbetreiber jährlich die in ihrem Netz aufgetretenen Versorgungsunterbrechungen unter Angabe von Zeitpunkt, Dauer, Ausmaß und Ursache zu melden. Die Bundesnetzagentur ermittelt daraus die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je angeschlossenen Letztverbraucher im Kalenderjahr.

Der gute Wert ist bei der ÜZ seit 2010 mit leichten Abweichungen nach oben und unten die Regel. In Lülsfeld hat man die Energiewende als Chance genutzt. Denn alles funktioniert auch ohne das stillgelegte Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld.

Drei Faktoren bilden die Grundlage für die geringen Netzausfallzeiten bei der ÜZ. Zum einen ist es der hohe Grad an Versorgung des eigenen Netzes mit erneuerbaren Energien aus dezentralen Anlagen.

Gerd Bock, der geschäftsführende Vorstand der ÜZ, zur Trendwende: „Das Jahr 2015 wird bei uns zum Jahr der regenerativen Superlativen. Höchstwerte bei der Anzahl der mittlerweile integrierten, regenerativen Erzeugungsanlagen, Höchstwerte bei der Erzeugungsleistung und Höchstwerte bei der Einspeisung erneuerbarer Energie sind ein Beleg dafür, wie sich die ÜZ der Energiewende stellt“.

In Summe aller dezentralen, regenerativen Energien weist das Verteilnetz inzwischen eine installierte Leistung von mehr als 250 000 Kilowatt auf. Das entspricht rund einem Fünftel der Leistung des abgeschalteten Kernkraftwerks Grafenrheinfeld. Somit verteilt die ÜZ in ihrem Netz heute schon nahezu 100 Prozent regenerative Energie.

Den Großteil der dezentral eingespeisten Energie liefert die Sonnenenergie über die 5426 Photovoltaikanlagen, gefolgt von der Windkraft mit 44 Windrädern in 16 Windparks. Dazu kommen als vergleichsweise verlässliche, weil wetterunabhängige Lieferanten die Biomasse aus 41 Anlagen (inklusive Deponie- und Klärgas), die Kraft-Wärme-Kopplung mit 180 Blockheizkraftwerken und die Wasserkraft mit zehn Main-Kraftwerken, ein Trockenjahr wie heuer ausgenommen.

An Photovoltaikleistung werden rund 135 000 Kilowatt in das Netz der ÜZ eingespeist. Dazu kommt eine Windenergieleistung von rund 92 000 Kilowatt. Davon kamen allein im Jahr 2015 mehr als 32 000 Kilowatt hinzu.

Der große Anteil erneuerbarer Energien stellt allerdings auch eine große Herausforderung dar. Denn nicht immer weht der Wind stark genug und auch die Sonne scheint nicht immer. Hinzu kommt die Frage der Spannungsverträglichkeit. Das alles zusammen erfordert eine ausgeklügelte strategische Netzplanung, so der bei der ÜZ für die Netze zuständige Bereichsleiter Elmar Tell.

Tatsächlich kommt es an den Umspannwerken zu Rückspeisungen ins Hochspannungsnetz, da die erzeugte Energie den örtlichen Strombedarf der ÜZ-Kunden zu gewissen Zeiten wesentlich übersteigt.

Umgekehrt muss die ÜZ in sonnen- und windarmen Stunden häufig auf Energie aus dem Hochspannungsnetz zurückgreifen. Mengenmäßig würde die regenerative Energie ausreichen, um alle ÜZ-Kunden während des gesamten Jahres mit Naturstrom zu versorgen. Allerdings steht diese Energie nicht immer dann zur Verfügung, wenn der Kunde diese benötigt.

„Eine komplette regionale Stromautarkie durch den Einsatz von Stromspeichern ist nach heutigem Stand der Technik theoretisch möglich, wegen der hohen Kosten und der vergleichsweise niedrigen Speicherkapazität wirtschaftlich aber nicht darstellbar. Nach unserer Einschätzung wird sich dies zunächst nicht ändern.“
Gerd Bock, geschäftsführender Vorstand der ÜZ

Hierzu muss man wissen, dass ein Zwei Megawatt-Speicherkraftwerk momentan auf rund drei Millionen Euro kommt. Unabhängig davon streckt die ÜZ auf dem Weg zur Lösung für die Zukunft hier schon einmal ihre Fühler nach Investoren aus.

Ein zweiter Faktor für die Versorgungssicherheit sind die stetigen Investitionen der ÜZ in Ausbau, Erneuerung und Instandhaltung von Netz und Anlagen. Allein im nächsten Jahr sollen wieder mehr als 7,5 Millionen Euro investiert werden.

Der bereits erfolgte Abbau von anfälligen Holzmasten sowie die sukzessive Erdverkabelung anstelle von Freileitungen, das regelmäßige Ausästen von Bäumen in der Nähe von Freileitungen oder Vogelschutzmaßnahmen helfen, Störungen im Netz zu vermeiden. Wo kein Freileitungsmast ist, kann ihn der Trecker nicht umfahren und wo die Leitung unter der Erde liegt, kann kein Baum bei Sturm hineinstürzen. Eine hochauflösende Wärmebildkamera ermöglicht es zudem, Schwachstellen rechtzeitig aufzuspüren.

Nur in Ausnahmefällen ist die Anforderung fremder Hilfe erforderlich, etwa wenn es um bestimmte Arbeiten am noch unter Spannung stehenden Netz geht, um auf eine Abschaltung verzichten zu können. Hier wäre der Aufwand für die ÜZ selbst dann doch zu hoch.

Dritter Faktor für die geringen Netzausfallzeiten sind die gut ausgerüsteten und ausgebildeten eigenen Störungstrupps. „Die ÜZ-Truppe ist schnell vor Ort, wenn sich bei den Schaltmeistern in der Netzleitstelle in Lülsfeld ein Problem auftut“, so der für den Netzservice zuständige Bereichsleiter Jürgen Kriegbaum.

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