ÜZ

Geschichte

Bürgermeister Ziegler, Initiator zur Gründung der Überlandzentrale

In den Städten Deutschlands brennt bereits das elektrische Licht. Für die ländlichen Regionen gibt es noch keine Stromversorgung. In dieser „dunklen“ Zeit wird der rührige Bürgermeister der Gemeinde Lülsfeld, Johann Ziegler, tätig. Er ruft im Dezember 1909 die Bürgermeister-Kollegen der umliegenden Gemeinden zu einer Vorbesprechung zur Gründung einer Überlandzentrale ein um die Stromversorgung des „flachen Landes“ in die eigenen Hände zu nehmen. Schon am 5.Januar 1910 wird im Saalbau Tröster in Gerolzhofen eine Genossenschaft zur Stromversorgung des ländlichen Raumes gegründet. Ihr treten 23 Gemeinden und 379 Mitglieder bei. Die Geburtsstunde der ÜZ hat geschlagen. Die schwierige Anfangsfinanzierung gelingt nach einigen Anläufen. Schnell stellen sich die ersten Erfolge ein und schon 1911 werden die ersten Straßenbeleuchtungen installiert. Der Erste Weltkrieg erschwert den Aufbau des Unternehmens.

 Der Erste Weltkrieg ist gerade vorbei. Kriegsbedingte Nachwirkungen beeinträchtigen die Arbeit. Der Übertragungsverlust im Netz liegt deshalb bei 45 % des erzeugten Stromes. Die junge Genossenschaft muss dringend investieren. Gleichzeitig galoppiert die Geldentwertung. So steigen die Kosten für eine einzige Übergabestation von August 1923 bis November 1923 von 1,4 auf 22 Millionen Reichsmark. Gleichzeitig beginnt der Wettlauf der Stromerzeuger um die Versorgungsgebiete. In diesem Umfeld muss sich die junge Genossenschaft erfolgreich behaupten. Das ist keine leichte Aufgabe. Sie wird aber erfolgreich gemeistert.

 Die ÜZ löst sich nach zähen Verhandlungen von einem ungeliebten Geschäftspartner, der mit der Betriebsführung beauftragt war. Unter Pfarrer Rüdenauer als Vorstandsvorsitzender der Überlandzentrale wird die Führung der Genossenschaft wieder in eigene Hände genommen. Der Vorgang geht als der „Lülsfelder Putsch“ in die Firmengeschichte ein. Der Strombedarf steigt. Arnstein, Volkach und Werneck werden in die Versorgung einbezogen. Eine Unterstützungskasse für die Belegschaft wird gegründet. Die Unterfränkische Überlandzentrale wird unter dem Druck der NSDAP zur Mainfränkischen Überlandzentrale umbenannt. Dem Betrieb wird eine politische Führung aufgezwungen. Der Zweite Weltkrieg beginnt und behindert den Aufbau des jungen Unternehmens ganz erheblich.

Blick auf den Netzplan, der im alten Schalthaus aushing  Der Anfang: Das 1. Betriebsgebäude der ÜZ

 Bis 1945 tobt der Krieg in Europa. Deutschland liegt vollkommen danieder. Die Überlandzentrale steht unter Treuhandverwaltung, das heißt, sie steht unter Fremdführung. Ihr Vermögen ist gesperrt. Trotzdem nimmt die ÜZ als erstes Energieversorgungsunternehmen Bayerns schon am 3.7.1945 die vollständige Stromversorgung wieder auf. Pfarrer Rüdenauer weist nach, dass nur wenige Genossen NSDAP-Mitglieder waren und erreicht deshalb die schnelle Aufhebung der Treuhandverwaltung. Das Genossenschaftsvermögen wird wieder freigegeben. Rüdenauer bringt als Treuhänder das Genossenschaftsleben wieder in Gang. Der Strombedarf steigt. Die Währungsreform bringt den Umschwung. Das „Wirtschaftswunder“ beginnt sich mit einer ersten wirtschaftlichen Belebung anzudeuten.

 Das „Wirtschaftswunder“ prägt auch die Entwicklung der ÜZ. Sie durchläuft eine stürmische geschäftliche Entwicklung. Der Strombedarf steigt sprunghaft von 10,4 Millionen Kilowattstunden im Jahr 1950 auf 26,4 Millionen Kilowattstunden im Jahr 1959. Im Versorgungsgebiet findet ein regelrechter Wettlauf zwischen den immer schneller steigenden Versorgungsanforderungen der Kunden und dem Bau und der Inbetriebnahme immer neuer Übertragungskapazitäten durch die ÜZ statt. Aus heutiger Sicht ist es zum Schmunzeln, wenn man bedenkt, dass die Unterfränkische Überlandzentrale in diesen Jahren Kunden mit „zu hohem Stromverbrauch“ für den Wiederholungsfall eine Stromsperre androhen musste. Die sozialen Leistungen der ÜZ werden verbessert. Es gibt eine Pensionskasse. Der Samstag wird arbeitsfrei. Der technologische Fortschritt ist atemberaubend.

Stabilität: die ÜZ in den Fünfzigerjahren Mobile Stromerzeugung: Ein Stromaggregat

Honoration: 50-jähriges Betriebsjubiläum

Jetzt gibt es die ÜZ schon 50 Jahre. Die gute geschäftliche Entwicklung geht weiter. Der Stromverkauf steigt von 21,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr 1955 auf 60,6 Millionen Kilowattstunden im Jahr 1965 und damit um 281 %. Gleichzeitig greifen große technische und organisatorische  Neuerungen: Die Versorgungsnetze der ÜZ werden auf 220/380 Volt umgestellt. Der Sprechfunk wird eingeführt. Die Bezirksstellen Volkach und Arnstein werden gebaut. Im Jahr 1967 beginnt das bislang größte Bauprojekt der Firmengeschichte: Die vollkommene Erd-Verkabelung des Niederspannungsnetzes, welche erst runde dreißig Jahre später abgeschlossen werden sollte. Damit beweist die ÜZ früher als andere innovatives Denken, vorausschauendes Handeln und den Drang zu größtmöglicher Sicherheit der Stromversorgung für ihre Kunden. Kurzum: Die ÜZ ist in diesem Jahrzehnt hochaktiv um sich für die nächsten 50 Jahre fit zu machen.

 

 Trotz der Gemeinde-Gebietsreform 1972 und der Auflösung vieler selbständiger Gemeinden wird in der Genossenschaft sichergestellt, dass jeder Ort seinen eigenen Genossenvertreter behält. Die Arbeitszeit wird bei vollem Lohnausgleich auf 40 Stunden reduziert. Die wirtschaftliche Entwicklung der ÜZ weist steil nach oben. Das „Nervenzentrum“ der ÜZ, der Ort, an dem alle Informationen zusammenlaufen, die Netzleitstelle, wird gebaut. Das erste Umspannwerk Brünnstadt entsteht und verbessert die Versorgungssicherheit. Zwischen 1965 und 1975 steigt der Stromverkauf von 60,6 Millionen auf stolze 148,9 Millionen Kilowattstunden und damit um ganze 245 %. Die Einführung des Kohlepfennigs zur Stützung des Kohlebergbaus verteuert den Strompreis. Neue Werkstatt- und Verwaltungsgebäude werden in Angriff genommen. Die rasante Entwicklung der Elektrotechnik, der Elektronik und vor allem der Datenverarbeitung stellen hohe Anforderungen an die Flexibilität des Unternehmens. Die erste Ölkrise erschüttert die Weltwirtschaft. Durch die Verteuerung des Ölpreises steigt der Bezugspreis für Strom beim Vorlieferanten Bayernwerk um 40 %.

Innovation: Die EDV hält Einzug Der ÜZ-Fuhrpark im Jahr 1982

 Der Anfang dieses Jahrzehnt wird bestimmt durch die zweite Ölkrise, ausgelöst durch die Revolution im Iran, aber auch durch ein stürmisches Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren. Der Stromabsatz der ÜZ an Industriekunden wächst dadurch erheblich. Der Arbeitsanfall ist nur durch den verstärkten Einsatz der EDV zu bewältigen. Die ÜZ feiert ihr 75jähriges in einem neu errichteten Verwaltungsgebäude. Die ÜZ-Gas GmbH - gegründet um benachbarte Gasanbieter im ÜZ-Gebiet abzuwehren - betreibt den kontinuierlichen Ausbau der Gasversorgung in vielen Gemeinden. Die markanten Schlusspunkte dieses Jahrzehnts werden aber gesetzt durch den Reaktorunfall in Tschernobyl und die Wiedervereinigung Deutschlands.

Knochenarbeit: Verkabelung im freien Feld

Dieses Jahrzehnt stellt die ÜZ vor die nächste große Herausforderung der Firmengeschichte: Das Ende des Gebietsschutzes. Die Entlassung in den Wettbewerb. Die Erzwingung neuer Tarife durch den Gesetzgeber. Die Zulassung der Konzessionsabgabe. Ende dieses Jahrzehnts befindet sich die ÜZ außerdem im Wettbewerb mit den Stromgiganten in Deutschland. Doch die ÜZ reagiert: Die Organisation wird gestrafft. Die sechs Bezirksstellen werden auf nur noch zwei in Lülsfeld und Werneck zusammengelegt. Die ÜZ-Gas GmbH wird in die unterfränkische Gasversorgung GasUf eingebracht. Die Stadtwerke Prichsenstadt übernommen. 100 % aller Ortsnetze sind verkabelt. Im ÜZ-Gebiet gibt es keine Dachständer mehr. Längere Stromausfälle sind damit im ÜZ-Netzgebiet kein Thema mehr.

Wer Im Wettbewerb mit den ganz Großen der Branchen steht, muss sich behaupten oder weichen. Und die ÜZ behauptet sich. Die Stadtwerke Gerolzhofen werden übernommen. Das neu errichtete Umspannwerk Knetzgau verbessert zusätzlich die Versorgungssicherheit. Die Kundenbetreuung wird ausgebaut. Neue Dienstleistungen und neue Stromtarife werden eingeführt. Die ÜZ investiert in die eigene Stromerzeugung aus Windkraft. Nirgendwo in Deutschland wird prozentual mehr Strom aus Fotovoltaikanlagen in das eigene Netz eingespeist als bei der ÜZ. Obwohl die Wahl des Stromlieferanten freigegeben wird: Die Kunden bleiben der ÜZ treu. Die ÜZ steht bundesweit in der Spitze der günstigsten Anbieter! Die kluge Unternehmensführung der vergangenen Jahrzehnte bewährt sich. Die ÜZ ist weiterhin eine wirtschaftlich selbstständige Genossenschaft und stellt damit auf dem deutschen Strommarkt eine Besonderheit dar. Um den künftigen Herausforderungen gerecht zu werden, wird der Um- und Neubau von Verwaltungs- und Lagergebäude in Lülsfeld in Angriff genommen.

Wegweiser: die "neue" ÜZ aus der Luft Die Zukunft: Regenerative Stromerzeugung

Die Rahmenbedingungen des Strommarktes verschärfen sich: Der Staat will die Macht der Stromgiganten einschränken, trifft aber kleinere Anbieter wie die ÜZ doppelt hart. Trennung von Stromnetzbetrieb und Stromverkauf, Ertragsobergrenzen für Stromversorger, kostenintensiver Ausbau der Netze für Strom aus Fotovoltaik- und Windkraftanlagen sind die Stichworte. Strom zu festen Preisen gehört der Vergangenheit an. Strompreis entsteht täglich neu an der Strombörse. Wir wollen trotzdem zu den preisgünstigsten Anbietern Deutschlands gehören, wie bisher. Die ÜZ setzt auf das Vertrauen der Kunden, das wir in hundert Jahren aufgebaut haben, auf unsere Nähe zur Region und den persönlichen Service. Eigenschaften, die von neuen und werbeintensiven Wettbewerbern nicht geboten werden können. Die ÜZ wird auch in diesem Jahrzehnt alles daran setzen, sich im schwierigen Umfeld zu behaupten.

Das ist klar vorgezeichnet. Die ÜZ setzt alles daran, das in hundert Jahren erarbeitete Vertrauen der Kunden weiter zu rechtfertigen. Die Region und die ÜZ gehören zusammen. Wir sind Teil der Wirtschaftskraft dieses Raumes. Wir bieten Arbeitsplätze vor Ort. Das erwirtschaftete Kapital bleibt in der Region. Unsere Aufträge gehen an den heimischen Mittelstand. Dort sichern sie Arbeitsplätze. Für die Jungen stellen wir überdurchschnittlich viele Ausbildungsplätze zur Verfügung. Wir sind ökologisch sensibel und erzeugen immer mehr Strom aus Windkraft und Fotovoltaik. Unsere Kunden haben die längsten Stromspartarif-Zeiten in Bayern. Unser Strompreis gehört zu den niedrigsten in Deutschland. Wir garantieren neutrale Energieberatung. Wir sind vor Ort und persönlich erreichbar. Wir versuchen täglich das zu sein, worauf es heute ankommt: Seriös und zuverlässig. Die ÜZ ist zu einem Qualitätsbegriff geworden – und das soll so bleiben.