ÜZ

Leukämie: Der eine braucht's, der andere hat's Mittel im Blut

16.10.2015

Zeitungsartikel MainPost vom 15.10.2015
Verfasser: Norbert Vollmann

 

Es ist die Duplizität der Ereignisse, die gerade bei Bernd Brönner aus Alitzheim und seiner Leukämie-Erkrankung betroffen macht. Sie zeigt zum einen, dass Leukämie nichts Exotisches ist, sondern jeden und überall treffen kann, und dass große Heilungschancen bestehen. An seinem Beispiel zeigt sich aber auch, wie nah an Leukämie erkrankte Menschen wie er und Spender von aus dem Knochenmark herausgefilterten Blutstammzellen auf engstem Raum zusammenleben.

Beispiel Nummer 1 ist sein junger Arbeitskollege bei der ÜZ Lülsfeld, Nikolas Edelmann. Zweites Beispiel ist sein Stellvertreter als Vorsitzender des Gesangvereins „Sängerlust“ Alitzheim in seinem Wohnort Alitzheim, Harald Johanni. Beide haben an Leukämie erkrankten Menschen geholfen, wieder gesund zu werden. Für die ÜZ sind Bernd Brönners Erkrankung und Nikolas Edelmanns Spende der Anlass, die Typisierungsaktion durchzuführen.

Nikolas Edelmann ließ sich im Mai 2010 als Stammzellenspender registrieren. Er bestätigt: „Das war eine Sache von wenigen Minuten. Zeit, die jeder aufbringen kann um anderen Menschen zu helfen.“ Sein Beweggrund, an einer Typisierungsaktion teilzunehmen, sei von Anfang an der Wunsch gewesen, einem Menschen, der an Blutkrebs erkrankt ist, durch seine Stammzellenspende ein neues unbeschwertes Leben zu ermöglichen.

Diese Möglichkeit bot sich dem jungen Mann im Mai 2013. Nikolas Edelmann war der passende genetische Zwilling eines Blutkrebspatienten. Er unterstreicht: „Es machte mich glücklich und stolz, einem Menschen Hoffnung und Kraft geben zu können, seine Krankheit zu besiegen.“ In der Zwischenzeit habe er erfahren, dass durch seine Spendenbereitschaft einer Frau aus Italien geholfen werden konnte. Sie habe die Krankheit überwunden und ihr gehe es gut, sei ihm mitgeteilt worden. Der junge ÜZ-Mitarbeiter: „Ich würde es jederzeit wieder tun. Einem Menschen das Lachen und Leben zurückzugeben, ist eine großartige Erfahrung, die man nicht mit Geld kaufen kann.“

Auch Harald Johanni würde nicht zögern, wieder Stammzellen zu spenden. Ein an Leukämie erkranktes türkisches Mädchen war der Grund, dass ihn seinerzeit ein Arbeitskollege bei der AOK im Jahr 2002 zu einer Typisierungsaktion in einer Schweinfurter Moschee mitgenommen hatte. Harald Johanni kann sich noch gut daran erinnern. Denn derjenige, der ihm das Blut abnahm, meinte danach: „Das ist ja gar nicht so schwer. Das war meine erste Blutentnahme.“

Spende für 55-jährige Frau

2005 wurde Harald Johanni informiert, dass er in die engere Auswahl für eine Spende gekommen sei. Darauf suchte er seinen Hausarzt auf, um die erforderliche Verfeinerung der Blutuntersuchung vornehmen zu lassen. Das Ergebnis war, dass soweit alles passte und er das benötigte Mittel gegen den Blutkrebs für diesen speziellen Fall in sich trug.

Zur Stammzellspende begab er sich dann in eine Rotkreuzklinik in Frankfurt am Main. Am ersten Tag wurde er nochmals richtig auf Herz und Nieren geprüft. Danach stand endgültig fest, dass er als Spender in Betracht kam.

Am nächsten Tag wurde er vier Stunden lang an eine Zentrifuge angeschlossen, um die benötigten Inhaltsstoffe aus seinem Blut herauszufiltern. Erst danach stand allerdings fest, dass die Anzahl der gesuchten und herausgefilterten Merkmale für die Transfusion ausreichend war.

Dies war alles zu der Zeit, als 2005 nach dem Tod von Johannes Paul II. der neue Papsts in Rom gewählt wurde. Harald Johanni weiß dies deshalb noch so genau, da im Bett neben ihm in der Klinik ein katholischer Pfarrer lag, der die damalige Wahl des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. am Fernseher verfolgte.

Am nächsten Tag ging es für Harald Johanni nach drei Tagen in Frankfurt wieder zurück nach Alitzheim. Auf seine Nachfrage hin hat Harald Johanni erfahren, dass er einer 55-jährigen Frau zur Heilung ihrer Leukämie-Erkrankung geholfen hatte.

Mehr weiß er aber nicht von ihr. Auf Schreiben, die er an sie über die Spenderdatei gerichtet hatte, bekam er keine Antwort. Nur wenn aber beide Seiten einwilligen, werden die Adressen ausgetauscht.

Unabhängig davon würde Harald Johanni, wie gesagt, jederzeit wieder die aus dem Knochenmark gewonnenen Blutstammzellen spenden. Er unterstreicht: „Das ist kein Thema. Es ist überhaupt nichts, was Dich gefährdet. Und wenn Du weißt, Du kannst einem Menschen helfen oder gar das Leben retten, ist der Aufwand gering“. Und weiter: „Nach dieser Untersuchung von A bis Z weißt Du außerdem ganz genau, dass Du fit und gesund bist.“

Dem schwerkranken türkischen Mädchen konnte damals übrigens nicht mehr geholfen werden. Heute sähe dies dank der hohen Anzahl von Menschen, die sich bereits typisieren ließen und in den Spenderdateien erfasst sind, deutlich besser aus.

Typisierungsaktion in Lülsfeld

Wie Bernd Brönner kann auch anderen Betroffenen geholfen werden, wenn sich viele Menschen typisieren lassen, etwa bei der Aktion am 23. Oktober bei der ÜZ in Lülsfeld.

Nähere Informationen zur ÜZ-Aktion, Erfahrungsberichte von Empfänger und Spender, Voraussetzung für die Aufnahme und alle weiteren Informationen zur Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern

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