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Leukämie: Wie Bernd Brönner wieder zurückkam

12.10.2015

Zeitungsartikel MainPost vom 09.10.2015
Verfasser: Norbert Vollmann

 

Die Diagnose traf Bernd Brönner aus Alitzheim (Kreis Schweinfurt) im Juni 2013 wie ein Keulenschlag: Leukämie. Heute gilt der 54Jährige dank einer Blutstammzellspende als geheilt und kämpft sich mehr und mehr wieder in den Alltag zurück. Die Diagnose traf Bernd Brönner im Juni 2013 wie ein Keulenschlag: Leukämie. Heute, zwei Jahre danach, gilt der 54Jährige dank einer Blutstammzellspende als geheilt und kämpft sich mehr und mehr wieder in den Arbeitsalltag bei der Unterfränkischen Überlandzentrale in Lülsfeld zurück.

Völlig gesund in dem Sinn ist er noch nicht. Drei Chemo Therapien und die weiter erforderlichen Medikamente haben Bernd Brönner für Infektionen anfällig gemacht. Aber er lebt und ist trotz gesundheitlicher Rückschläge guter Dinge, auch diese Phase bald überstanden zu haben. Aufgrund der Stammzellen Transplantation hat er übrigens eine neue Blutgruppe. Die moderne Medizin macht auch das inzwischen möglich. Die Blutgruppe ist nämlich wider Erwarten nicht entscheidend. Das sind vielmehr die Zellgewebemerkmale, die zu einem hohen Prozentsatz übereinstimmen müssen.

Bernd Brönner ist bei der ÜZ vor allem durch seine achtjährige Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzender ein bekanntes Gesicht. Seine Erkrankung war für seinen Arbeitgeber ein ganz wesentlicher Anlass, sich für eine Typisierungsaktion einzusetzen. Dann ist da aber auch noch das Beispiel des jungen Mitarbeiters Nikolas Edelmann, dass das Unternehmen zu dieser Aktion motiviert hat. Edelmann hatte sich 2010 typisieren und in die weltweit vernetzte Spender-Datenbank aufnehmen lassen. 2013 konnte er dann mit seiner Stammzellenspende einem schwerkranken Menschen die Chance auf eine Heilung ermöglichen.

Die mit einer normalen Blutentnahme beim Hausarzt vergleichbare Typisierung wird gemeinsam mit der Stiftung „Aktion Knochenmarkspende Bayern“ am Freitag, 23. Oktober, von 11 bis 17 Uhr im Vortragsraum der ÜZ Zentrale in Lülsfeld durchgeführt. Die Kosten werden gänzlich durch Spenden getragen.

„Alles fühlte sich irgendwie komisch an“, erinnert sich Bernd Brönner an die Rückenschmerzen, als diese 2013 im Urlaub auftraten. Zunächst dachte er an eine verschleppte Grippe. Doch trotz aller Medikamente trat keine Besserung beim Vorsitzenden des Gesangvereins Sängerlust in seinem Wohnort Alitzheim ein. Im Gegenteil: Die Schmerzen wurden immer schlimmer. Keiner der Ärzte, die er zu Rate zog und die ihn auch stationär behandelten, fand zunächst heraus, was er hatte.

Glück im Unglück

Bernd Brönners Glück war es im nachhinein, dass nach einer kurzen Besserung die Schmerzen irgendwann nicht mehr auszuhalten waren. So führte ihn der Weg zur Akutbehandlung ins nächstgelegene Krankenhaus, die GeomedKlinik in Gerolzhofen zum Chefarzt der Inneren Abteilung, Dr. Manfred Klein.

Dem Mediziner kamen die Symptome aufgrund eines anderen Falles sehr bekannt vor. Die kurzfristig anberaumte Punktion des Knochenmarkes war dann auch ein „Volltreffer“, so Brönner. Er hatte akute lymphatische Leukämie, kurz ALL.

Die behandelnden Ärzte in Würzburg machten ihm von Anfang an Mut. Bernd Brönner war jetzt zwar angeschlagen, aber noch sportlich durchtrainiert, nicht übergewichtig und er litt auch an keinen Vorerkrankungen, die den Heilungsverlauf hätten erschweren können. Es folgten drei Chemotherapien in Würzburg mit all ihren Folgen bis hin zum Haarausfall. Und über allem schwebte immer noch die Ungewissheit einen Spender zu finden.

Denn das war trotz allen Beistands und aller Unterstützung während seiner Leukämie Erkrankung durch Familie, Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen von Anfang an klar: Eine nachhaltige Heilung war nur durch eine Stammzellentransplantation möglich.

Nachdem in seiner Familie kein Spender zur Verfügung stand, wurde über die Stammzellenkoordination der Uniklinik Würzburg ab August 2013 die große Suche gestartet. Anfang 2014 kam die erlösende Nachricht, dass ein für ihn passender Spender gefunden wurde und auch bereit war, Stammzellen zu spenden. Noch immer blieb aber die Angst, dass dem Spender bis zum Transplantationstermin etwas zustoßen könnte. Bernd Brönner: „Das Problem ist, dass die Chance nicht so ohne Weiteres wiederkommt.“

Im Vorgriff auf die Stammzellen Übertragung war es erforderlich, das Immunsystem durch Chemo und Bestrahlung komplett zu zerstören. Bernd Brönner: „Es tut nicht weh. Du wirst aber richtig platt gemacht.“ Die Transplantation selbst ist mit einer Bluttransfusion vergleichbar, mit der die herausgefilterten Stammzellen des Spenders übertragen werden. Bernd Brönner: „Dann hofft man, dass der Körper reagiert und sich im Knochenmark neue Blutzellen bilden, bis das Blut nach einem halben Jahr komplett ausgetauscht ist.“ Es hat funktioniert.

Insgesamt sechs Wochen lag er in dieser Zeit von Anfang Januar bis Mitte Februar 2014 in der Uniklinik. Die Zeit nach der Transplantation verbrachte er in einem keimfreien Krankenzimmer. Auch danach musste er wegen der hohen Infektanfälligkeit besondere Verhaltens- und Ernährungsvorschriften beachten.

Im Rückblick betont Bernd Brönner: „Es war eine harte Zeit, vor allem wegen der ganzen Nebenwirkungen. Aber Gott sei Dank waren die inneren Organe nie betroffen.“ Aber auch danach ist die weitere Einnahme von Medikamenten und vor allem von „Kortison ohne Ende“ nötig, bis das neue Immunsystem erkennt, was eigen und was fremd ist. Auf eine normale Erkältung reagiert sein neues Immunsystem immer noch wie bei einer heftigen Allergie. Massiv betroffen ist dann bei Bernd Brönner vor allem die Haut.

Als er im Frühjahr 2015 daran dachte, wieder auf die Arbeit zu gehen, erwischte ihn eine tückische Influenza-Grippe mit der Folge, dass er zehn Tage im Krankenhaus lag. Wieder gab es Extradosen an Kortison, Antibiotika und entzündungshemmenden Mitteln. Gerade wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt, fing er sich im Mai einen Darmvirus ein. Es folgte erneut ein zehntägiger Klinikaufenthalt. Trotz aller Heftigkeit weiß Bernd Brönner allerdings jetzt: „Das Immunsystem reagiert“.

Seit Juni hat sich der Gesundheitszustand stabilisiert und Brönner geht seitdem wieder regelmäßig zur Arbeit, inzwischen wieder in Vollzeit. Seit 1993 ist er als Elektro- und Sicherheitsingenieur in der Netzplanung bei der ÜZ beschäftigt.

Als positiv denkender Mensch hat Bernd Brönner die Erkrankung von Anfang an angenommen, „offensiv kommuniziert und alles irgendwie durchgezogen“, wie er sagt. Aber er weiß, trotz aller ärztlicher Kunst konnte die Leukämie bei ihm letztendlich erst durch die Bereitschaft seines Spenders, sich typisieren zu lassen und auch Stammzellen zu spenden, dauerhaft geheilt werden.

Bernd Brönner: „Darüber bin ich sehr glücklich und meinem Spender vor allem, aber auch allen Ärzten unendlich dankbar.“ Die größte Unterstützung habe er durch seine Frau Doris erfahren. Er sagt: „Das ist das Allerwertvollste, wenn du jemanden hast, der so an deiner Seite ist und in dieser schweren Zeit auch deine Interessen wahrnimmt, damit du nicht auf dich allein gestellt bist.“

Typisierungsaktion in Lülsfeld

Wie Bernd Brönner kann auch anderen Betroffenen geholfen werden, wenn sich viele Menschen typisieren lassen, etwa bei der Aktion am 23. Oktober bei der ÜZ in Lülsfeld.

Nähere Informationen zur ÜZ-Aktion, Erfahrungsberichte von Empfänger und Spender, Voraussetzung für die Aufnahme und alle weiteren Informationen zur Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern

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